claudia grünig

claudia grünig - visitors should bring flowers

Begrüßung

Dr. Karina Esmailzadeh, Forum für Kunst und Kultur

Einführung

Denise Botzet, Kunsthistorikerin, Aachen

Veranstaltungsdauer

07. September bis

12. October 2025

Die Wirklichkeit ist eine Illusion

Claudia Grünig kommt ursprünglich aus der Malerei. So finden sich auch heute noch viele

Elemente in ihrer fotografischen Arbeit, die diesen Einfluss deutlich zeigen. Der Akt der Schöpfung

ist in beiden Medien derselbe für sie. Experiment, Wahrnehmung und die Kombination unter-

schiedlichster Elemente wandeln sich zur Bildsprache. Ebenso wie sie es in ihren fotografischen

Arbeiten realisiert, verbanden sich in ihrer Malerei verschiedene teils gegensätzliche Elemente der

Wirklichkeit in einer realistischen Malweise. Die Idee, surreale Ereignisse in einem der Abbildung

verbundenen Medium zu verorten, führte sie 2015 von der Malerei zur Fotografie. In der Malerei ist

alles möglich. Sie ist nicht der Wirklichkeit, sondern der Wahrnehmung verpflichtet. In ihr sind

wundersame und surreale Darstellungen keine Überraschung. Fotografien erwecken hingegen den

Anschein die Realität abzubilden, obgleich wir es heute gewohnt sind mit allen erdenklichen

Bildmanipulationen umzugehen, die uns die Einschätzung dessen, was der Wahrheit entspricht,

selbst überlassen. Die Vorstellung, dass Fotografien zunächst eine Realität abbilden, nutzt die

Künstlerin für ihre Fotoarbeiten, um die Illusion in der „Wirklichkeit“ anzusiedeln. Dabei ver-

wendet sie die einzelnen Elemente der Realität als inhaltlichen und kompositorischen Neubeginn.

Claudia Grünigs Fotoarbeiten entstehen im Experiment der Überlagerung mehrerer Ebenen, in

denen einzelne Bildelemente ausgespart werden. Die meisten ihrer Arbeiten sind – im wahrsten

Sinne des Wortes – vielschichtig. In ihnen verbindet sie scheinbar nicht zusammenhängende

Situationen, Personen, Gegenstände und Orte zu einem Bild, in welchem dadurch ein neuer

Bedeutungsinhalt geschaffen wird. In diesem Arbeitsprozess „erfindet“ sie ihr eigenes Foto auf der

Basis der Ursprungsmotive. Bis dahin durchlaufen ihre Bilder jedoch viele Versuche und

unsichtbare Prozesse. Claudia Grünigs Bilder lassen sich bis zu ihrer Entstehung eine geraume Zeit,

bis sie Lust haben sich zu zeigen. Erst dieser fließende, zuweilen herausfordernde, jedoch auch

immer inspirierende Prozess ermöglicht die Entstehung ihrer Bilder. So führt die Bearbeitung die

Künstlerin selbst auch immer wieder zu unbekannten Orten, die sie zuvor nicht zu beschreiben

weiß. Seit Beginn ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sich Claudia Grünig mit Themen der

Identität und Authentizität. Dabei hinterfragt sie das Verhältnis von Illusion und Wirklichkeit. Unter

verschiedenen Gesichtspunkten entstehen so immer wieder Arbeiten und Zyklen zu den Thematiken

Realität und ihr Double, Realität und Imitation, Realität und Fälschung sowie Illusion und

Wirklichkeit. Durch konsequentes Durchbrechen der Wirklichkeit des Mediums Fotografie und eine

durchdachte, darauf aufbauende bildnerische Komposition, führt Claudia Grünig den Betrachter in

eine Welt, in der uns vertraute Gesetzmäßigkeiten neu angeordnet werden. Es setzt einen Blick auf

sich selbst voraus, ihre Visualisierungen nachzuvollziehen. Claudia Grünig lädt den Betrachter ein,

ihr zu folgen.

Text: Elke Peters


Werkliste der Ausstellung